Abenteuer Röjeråsen

Eine kleine Reiseerinnerung - 2025

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Eine Buntstiftzeichnung hängt seit mehr als vierzig Jahren, fein gerahmt, in unserem Esszimmer. Lange habe ich sie kaum beachtet – und doch war sie wohl der Auslöser für ein Abenteuer, das viele Jahre später zu einem überraschenden Wiederfinden führte. Mehr lesen Weniger

Damals hatten wir dieses Haus gemietet, um einige Urlaubswochen dort zu verbringen. Die Kinder waren klein. Der Jüngere fuhr unermüdlich Fahrrad, Tag und Nacht, als müsse er sich die Gegend erfahren. Der Ältere entzündete am Wegesrand kleine Feuerscheine, ganz versunken in sein Tun. Ich hatte Zeit. Zeit zum Zeichnen, zum Schauen, zum Dasein.

Das Wasser holten wir morgens aus dem Ziehbrunnen. Das Holz für den Herd sägten und hackten wir selbst. Alles war einfach, körperlich, unmittelbar – und genau darin lag ein Glück, das sich tief eingeprägt hat. Als wir abreisten, ahnten wir nicht, wie dauerhaft diese Sehnsucht sein würde.

Sie hat uns nie mehr losgelassen. Immer wieder sprachen wir von diesem Haus. Auf Google Earth suchten wir danach, fanden es nicht. Schließlich entschieden wir uns, ohne Gewissheit aufzubrechen: nach Rättvik, und von dort aus würden wir sehen.

Einer von uns reiste von Berlin nach Stockholm, eine von Stuttgart. In Stockholm trafen wir uns, fuhren gemeinsam weiter nach Rättvik. Als wir aus dem Zug stiegen, standen zwei mitreisende Damen mit uns auf dem Bahnsteig. Sie fragten freundlich, ob wir Urlaub in Rättvik machen wollten. Nein, sagten wir, wir suchten ein Haus in Rojeråsen, dort hätten wir vor vielen Jahren Urlaub gemacht. „Wir wohnen in Rojeråsen“, antworteten sie.

So einfach, so unwahrscheinlich fügte sich alles. Am nächsten Tag führten sie uns durch den Ort. Ein unglaublicher Zufall hatte uns zusammengebracht. Und wir erfuhren: Das Haus steht noch. Eine Straße ist an der Seite vorbeigebaut worden, ein Wintergarten wurde angebaut. Der Ziehbrunnen ist stillgelegt.

Doch das Wesentliche blieb. Das Haus existiert noch – und mit ihm ein Teil unserer eigenen Geschichte, den wir verloren glaubten.